meillo@54: \documentclass[ngerman,german,endnotes]{persbib} meillo@54: \usepackage[utf8]{inputenx} meillo@54: \usepackage{babel} meillo@54: \usepackage{url} meillo@54: meillo@54: \usepackage{pifont} % for \ding meillo@54: \usepackage{caption} % for \caption* meillo@54: meillo@54: \deffootnote[1.25em]{1.25em}{1.25em}{\textsuperscript{\thefootnotemark}\,} meillo@54: meillo@54: \flushbottom meillo@54: \setlength{\parskip}{0pt plus 2pt minus 0pt} meillo@54: \setlength{\skip\footins}{2ex plus 4ex minus 1ex} meillo@54: \clubpenalty = 305 meillo@54: \widowpenalty = 305 meillo@54: meillo@54: meillo@54: \bibliography{ref2-pb.bib} meillo@54: meillo@54: \title{ meillo@54: Open Access, Freie Software und Co.:\\ meillo@54: Eine Analyse der Gemengelage meillo@54: } meillo@54: \author{Markus Schnalke} meillo@54: \authoremail{meillo@marmaro.de} meillo@54: \institution{ KIT-Bibliothek / Bibliotheksakademie Bayern } meillo@54: \date{2014-03-07} meillo@54: meillo@54: meillo@54: \begin{document} meillo@54: meillo@54: \maketitle meillo@54: meillo@54: meillo@54: meillo@54: %################################################################### meillo@54: meillo@54: \section{Vier Konzepte} meillo@54: meillo@54: Diese Arbeit vergleicht den \emph{Open Access} mit der meillo@54: \emph{Freien Software} und ähnlichen Konzepten. meillo@54: Ihr Ziel ist es, Parallelen und Unterschiede aufzuzeigen. meillo@54: meillo@54: Da die Freie Software bereits seit den 80ern als Konzept etabliert ist, meillo@54: der Open Access aber erst zwanzig Jahre später aufkam, können, meillo@54: so die Vermutung, aktuelle und zukünftige Entwicklungen beim Open meillo@54: Access nachvollzogen oder sogar vorweg erahnt werden, wenn man sich meillo@54: anschaut, wie sich die Freie Software entwickelt hat. meillo@54: meillo@54: Dass im Titel der Begriff \emph{Freie Software} und nicht meillo@54: \emph{Open Source} vorkommt, meillo@54: wenn auch nur der Begriffsanalogie wegen, ist durchaus Absicht. meillo@54: Die Begriffe, sind nicht so austauschbar, wie sie erscheinen mögen. meillo@54: Beide Bewegungen werden in dieser Arbeit behandelt. meillo@54: Daneben wird auch die Free Cultural Works-Bewegung betrachtet, meillo@54: die nach einer großen und lebendigen Allmende strebt. meillo@54: Die vier Konzepte und Bewegungen sind jeweils unterschiedliche meillo@54: Ausprägungen eines ähnlichen Gedankens, nämlich des meillo@54: \emph{Free Contents}. meillo@54: meillo@54: \begin{figure}[hbt] meillo@54: \centering meillo@54: \renewcommand{\arraystretch}{3.0} meillo@54: \begin{tabular}{ r|c|c| } meillo@54: \multicolumn{1}{r}{} meillo@54: & \multicolumn{1}{c}{idealistisch} meillo@54: & \multicolumn{1}{c}{pragmatisch} \\ meillo@54: \cline{2-3} meillo@54: Software & Freie Software & Open Source \\ meillo@54: \cline{2-3} meillo@54: Texte, etc. & \ Free Cultural Works \ & \qquad Open Access \qquad{} \\ meillo@54: \cline{2-3} meillo@54: \end{tabular} meillo@54: \bigskip meillo@54: \caption{\textbf{Ausrichtung der Konzepte}} meillo@54: \end{figure} meillo@54: meillo@54: meillo@54: meillo@54: %################################################################### meillo@54: \section{Hintergründe} meillo@54: meillo@54: Um Konzepte und Bewegungen zu verstehen muss man sich ihre meillo@54: Entstehungsgeschichten und ihre Strukturen anschauen. meillo@54: meillo@54: meillo@54: meillo@54: \subsection{Freie Software} meillo@54: meillo@54: Die Freie Software meillo@54: ist in erster Linie eine ethische und politische Bewegung, bei der die meillo@54: \emph{ Rechte } meillo@54: der Menschen im Mittelpunkt stehen. Das wiederkehrende Leitbild ist meillo@54: der Wunsch seinem Nachbarn etwas Gutes tun zu können. Dies soll meillo@54: ermöglicht werden. Deshalb soll Software frei sein. meillo@54: meillo@54: Die Freie Software entstand in den 80er Jahren. Bis dahin meillo@54: war alle Software \enquote{frei}. Sie war damals eine Beigabe zur Hardware. meillo@54: Mit dem Beginn der 80er Jahre begannen Unternehmen in Software meillo@54: eine Ware zu sehen, mit der man Geld verdienen kann. meillo@54: \autocite[S. 13]{spiegel06} meillo@54: Statt sie meillo@54: kostenlos mit samt dem Quellcode der Hardware beizulegen, wie meillo@54: zuvor, wurden die Programme, von da an, immer häufiger verkauft meillo@54: und ihr Quellcode geheim gehalten. meillo@54: Software wurde damit zu einem Produkt, das jemandem gehört. meillo@54: (Der passende Begriff für unfreie Software ist deshalb meillo@54: \enquote{proprietäre Software}, meillo@54: \autocite[S. 28]{spiegel06} meillo@54: nicht aber \enquote{kommerzielle Software}.) meillo@54: meillo@54: Die Freie Software entstand daraufhin als Gegenbewegung, wobei sie meillo@54: jedoch nicht den bisherigen Zustand abschaffen, sondern ihn meillo@54: beibehalten wollte. Der unbeschränkte Austausch von Software in meillo@54: Quellcodeform sollte erhalten bleiben. Die Freie Software ist demnach meillo@54: in ihrem Kern von bewahrendem Charakter. Sie stellte sich den neu meillo@54: aufkommenden Entwicklungen der damaligen Zeit, die heute zum meillo@54: Normalfall geworden sind, entgegen. meillo@54: meillo@54: Wenn auch die Vorstellung, Software solle frei sein, in meillo@54: Programmiererkreisen weit verbreitet war, so war es Richard M. meillo@54: Stallman, der fast im Alleingang eine aktive Bewegung daraus machte. meillo@54: Sie manifestierte sich insbesondere im Start des GNU-Projekts (1983), meillo@54: in der Gründung der Free Software Foundation (1985) meillo@54: und im Verfassen der General Public License (1989), meillo@54: die alle von Stallman initiiert und vorangetrieben wurden. meillo@54: meillo@54: Die Kultur des freien Austauschs von Information und Software meillo@54: entstammt primär dem universitären Umfeld. Stallman meillo@54: selbst war am MIT verwurzelt. An der Westküste der USA, meillo@54: v.a. an der University of California, gab es ähnliche Kulturen. meillo@54: Der ethische Fokus der Freien Software und damit seine politische meillo@54: Ausrichtung, die Stallman vertrat, waren jedoch in Californien meillo@54: weniger präsent. meillo@54: meillo@54: Die Grundmotivation der Freien Software ist die ethische Ansicht, meillo@54: dass Software keine Ware sein sollte die jemandem gehört, sondern meillo@54: ein Gemeingut, das allen zur Verfügung steht. Die Analogie dazu meillo@54: sind Kochrezepte, die ganz natürlich weitergegeben, nachgekocht meillo@54: und abgewandelt werden. meillo@54: meillo@54: meillo@54: \subsection{Open Source} meillo@54: meillo@54: Open Source, wenn auch ähnlich zur Freien Software, hat eine meillo@54: andere Ausrichtung. meillo@54: Sie schätzt vor allem die verbesserten Möglichkeiten und meillo@54: die daraus resultierenden Konsequenzen, meillo@54: die einem offen stehen, wenn der Quellcode von Software zur Verfügung meillo@54: steht und dieser kopiert, verändert und verbreitet meillo@54: werden darf. Die Grundmotivation ist damit pragmatischer Natur. meillo@54: meillo@54: Mitte der 90er Jahre nachdem Linux, der Kernel, verfügbar war, meillo@54: als das Web sich verbreitete und Netscape im Browserkampf gegen meillo@54: Microsoft zu verlieren begann, sahen immer mehr Freie meillo@54: Software-Befürworter Probleme an dem Begriff \enquote{Freie Software} meillo@54: und an seiner meillo@54: Ausrichtung. Das lag daran, dass das Wort \enquote{frei} (im Deutschen meillo@54: wie im Englischen) zweideutig ist. Auch Stallmans regelmäßige meillo@54: Aufklärung -- \enquote{Free software is a matter of liberty, not price. meillo@54: To understand the concept, you should think of free as in free meillo@54: speech, not as in free beer.} meillo@54: \autocite{fsf-def} meillo@54: -- löste dieses Problem nicht. meillo@54: \autocite[S. 161f.]{williams02} meillo@54: Folglich wollte das kommerzielle Softwarebusiness meillo@54: nicht auf das Konzept aufspringen; zu stark war meillo@54: die Assoziation zu \enquote{gratis}, wenn auch die meillo@54: Freie Software nie gegen eine kommerzielle Verwertung war, sie ja meillo@54: sogar befürwortet. meillo@54: \autocite{selling-fs} meillo@54: (\enquote{\enquote{Free software} does not mean \enquote{noncommercial}. A free program must meillo@54: be available for commercial use, commercial development, and meillo@54: commercial distribution. Commercial development of free software meillo@54: is no longer unusual; such free commercial software is very meillo@54: important.} meillo@54: \autocite{fsf-def} meillo@54: ) meillo@54: Aber das Image passte dennoch nicht, wegen der Zweideutigkeit des meillo@54: Wortes \enquote{frei}. meillo@54: In dem Bestreben die Freie Software auch im traditionellen meillo@54: Softwarebusiness zu verankern, trafen sich 1998 verschiedene Freie meillo@54: Software-Vertreter, um einen neuen, wirtschaftsfreundlicheren meillo@54: Begriff zu finden. Das Ergebnis war die Bezeichnung \enquote{Open Source}. meillo@54: \autocite[S. 162f.]{williams02} meillo@54: meillo@54: Stallman war zu diesem \enquote{Kick-off-Meeting} nicht eingeladen, meillo@54: da er als zu starrköpfig und kompromisslos galt. Das Ziel der meillo@54: Beteiligten war auch gerade eine Umorientierung, weg von der meillo@54: ethischen und politischen Ausrichtung der Freien Software, die meillo@54: Stallman mit Überzeugung vertrat. meillo@54: Mit der pragmatischen, unpolitischen meillo@54: Ausrichtung der Open Source-Bewegung und der Ausgrenzung von Stallman meillo@54: spaltete sich die Gemeinschaft anschließend teilweise. Die eine meillo@54: Gruppe hielt weiterhin am Begriff \enquote{Freie Software} fest und meillo@54: stand für die ethischen Ziele ein; die andere Gruppe nannte es meillo@54: \enquote{Open Source} und legte auf die technischen Aspekte wert. meillo@54: Diese ideologische Spaltung war jedoch, und ist noch immer, meillo@54: kein Hindernis der gemeinsamen Arbeit, der Kooperation und des meillo@54: Austausches. (Neuere Bezeichnungen wie FLOSS, für \enquote{Free, Libre, meillo@54: and Open Source Software}, zeigen eine wiedervereinigende meillo@54: Motivation, wenn sie auch von vielen kritisch gesehen werden. meillo@54: \autocite{floss-foss}) meillo@54: meillo@54: Die Open Source-Bewegung hängt weit weniger an einer einzelnen Person meillo@54: und den von ihr ausgehenden Organisationen und Projekten, als die meillo@54: Freie Software mit Stallman. meillo@54: Der Evangelist der Open Source-Bewegung ist Eric S. Raymond, meillo@54: Zusammen mit Bruce Perens hat er 1998 die \emph{Open Source meillo@54: Initiative} (OSI) gegründet. meillo@54: Linus Torvalds, der den Kernel entwickelt hat, und Tim O'Reilly, meillo@54: der Verleger, gehören aber ebenso zu meillo@54: den Vertretern, wie inzwischen auch große Softwareunternehmen. meillo@54: Open Source wird heutzutage durchaus businessfreundlich meillo@54: wahrgenommen. meillo@54: meillo@54: Die Grundmotivation für Open Source ist die Ansicht, dass dieses meillo@54: Entwicklungsmodell zu besserer Software führt. Durch die freie meillo@54: Verfügbarkeit von Komponenten sowie durch offene Dokumentation und meillo@54: offenen Code würden Entwickler schneller und besser arbeiten können. meillo@54: Die Mitarbeit von Interessierten würde gefördert werden. Die meillo@54: relevanten Nutzerwünsche würden schneller umgesetzt werden. meillo@54: Angepasste Varianten würde eher entstehen. Die Ergebnisse meillo@54: würden sich schneller verbreiten. Fehler und Sicherheitslücken meillo@54: würden durch die freie Einsichtnahme in den Code schneller meillo@54: gefunden und behoben werden. meillo@54: Ob dem tatsächlich so ist und in welchen Fällen, bleibt meillo@54: weiterhin umstritten. meillo@54: meillo@54: meillo@54: meillo@54: \subsection{Free Cultural Works} meillo@54: meillo@54: Mit den Free Cultural Works (FCW) meillo@54: \autocite{fcw-def} meillo@54: soll nun die Brücke von Software zu anderen Werken, meillo@54: darunter wissenschaftliche Publikationen, geschlagen meillo@54: werden. Bei den Free Cultural Works steht die Gemeinschaft und meillo@54: deren Allmende (das Gemeingut) im meillo@54: % XXX def allmende meillo@54: Zentrum. Werke sollen der Gemeinschaft gehören, nicht einzelnen meillo@54: Individuen. Ziel ist es, eine möglichst große Allmende meillo@54: aufzubauen um so eine lebendige Kultur zu fördern. meillo@54: meillo@54: Diese Bewegung ist weit weniger bekannt und weniger abgegrenzt meillo@54: als die anderen hier vorgestellten. meillo@54: Sie soll hier als ein konkreter Vertreter einer Vielzahl von meillo@54: ähnlichen Bewegungen, die allesamt die meillo@54: Allmende stärken wollen, auftreten. meillo@54: % Letztlich kann man die Free Cultural Works sogar meillo@54: % als Obermenge aller hier vorgestellter Konzepte sehen, jedoch meillo@54: % sollen sie in dieser Arbeit nur eine bestimmte, sonst nicht vertretene meillo@54: % Ausrichtung füllen (vgl. Abb.\^1). meillo@54: meillo@54: Free Cultural Works wurde 2006 von Erik Möller, mit meillo@54: Unterstützung von Richard Stallman, Lawrence Lessig und weiteren, meillo@54: ins Leben gerufen. meillo@54: Sie versuchten, im Kontext von Wikimedia, einen Standard zu legen, meillo@54: was als \enquote{Free Content} angesehen werden kann. meillo@54: Der Nutzen der Free Cultural Works liegt darin, die heterogene Vielzahl meillo@54: von Lizenzen für intellektuelle und kreative Werke nach einem klaren meillo@54: Freiheitsstandard zu klassifizieren. Seit 2008 ist das bei den meillo@54: Creative Commons-Lizenzen der Fall: Nur zwei der sechs CC-Lizenzen meillo@54: (und der Public Domain Dedication CC0) meillo@54: ist die Erzeugung von Free Cultural Works bescheinigt. meillo@54: Desweiteren vermitteln sie ein Bewusstsein für die Freiheit von meillo@54: Werken. Wie auch bei der Freien Software stehen Free Cultural meillo@54: Works nicht gegen die kommerzielle Verwertung, wohl aber gegen meillo@54: das Eigentum an kulturellen Werken. meillo@54: meillo@54: meillo@54: meillo@54: \subsection{Open Access} meillo@54: meillo@54: Open Access ist ein Konzept des wissenschaftlichen meillo@54: Publikationswesens. meillo@54: Er hat im Kern das Streben nach dem Zugang zu Information. Es geht meillo@54: dabei darum das Wissen aufzunehmen und sich darauf berufen zu können. meillo@54: Die Wissenschaft soll nicht von dem von ihr selbst erzeugten Wissen meillo@54: ausgeschlossen werden. meillo@54: meillo@54: Der Open Access entstand als Antwort auf die Zeitschriftenkrise der meillo@54: 90er Jahre. Er kam v.a. in den STM-Wissenschaften auf, da dort meillo@54: Zeitschriftenartikel die Hauptpublikationsform darstellen. Open Access meillo@54: soll eine Alternative zu den immer teurer werdende meillo@54: Zeitschriftenabonnements, die zunehmend größere Teile der meillo@54: Wissenschaftswelt den Zugang zum publizierten Wissen erschweren, meillo@54: bieten. Im gleichen Zug spielt die meillo@54: Unzufriedenheit der Autoren über die zumeist exklusiv abzutretenden meillo@54: Rechten an ihren Werken mit. Auch die Frage, meillo@54: wie es um die Notwendigkeit von Verlagen bestellt ist, wo das Internet meillo@54: und umso mehr das Web mit Repositorien und Kommunikationskanälen meillo@54: ähnliche Verbreitungsmöglichkeiten, ohne Rechteabtritt und quasi meillo@54: kostenlos, bietet, steht im Raum. meillo@54: meillo@54: Im Gegensatz zur Entstehung der Freien Software, wo der Status Quo meillo@54: beibehalten werden sollte, geht es beim Open Access darum eine meillo@54: Neuordnung der Situation zu erreichen. Diese Neuordnung wurde meillo@54: durch das Web, wo jeder selbst Verleger sein kann, ermöglicht. meillo@54: Wo die Freie Software von einer einzelnen Person, Richard Stallman, meillo@54: voran getrieben wird, und der Open Source eine gemeinsame Linie meillo@54: vorherrscht, gibt es meillo@54: beim Open Access eine Menge heterogener Akteure. So existiert meillo@54: auch keine von allen anerkannte, klare Definition des Begriffs, meillo@54: sondern eine Vielzahl von großteils impliziten oder schwammigen meillo@54: Definitionen. meillo@54: meillo@54: Die zwei etablierten Open Access-Wege -- der Grüne und der Goldene meillo@54: -- sollen hier nur kurz erwähnt werden, denn sie beschreiben meillo@54: \emph{Umsetzungen} des Konzeptes, nicht aber das Konzept selbst. meillo@54: Bei ihnen geht es um finanzielle Aspekte und den Ort der meillo@54: Veröffentlichung. Für diese Arbeit sind sie nebensächlich. meillo@54: meillo@54: Open Access entspricht insofern der Ausrichtung von Open Source, da meillo@54: es auch darin primär um pragmatische Aspekte geht. Der Wunsch der meillo@54: Wissenschaftler ist es, schnell, einfach und kostenlos auf meillo@54: wissenschaftliche Erkenntnisse zugreifen zu können, die konkrete meillo@54: Rechtesituation oder gar der ethische Aspekt freien Wissens meillo@54: stehen im Hintergrund. Bei Open Source ist jedoch meillo@54: ein deutlich stärkeres Bewusstsein für eine klare Definition, meillo@54: Rechtslage und Einheitlichkeit vorhanden. meillo@54: Dies liegt wohl zum einen am Charakter seiner Beteiligten, die als meillo@54: Programmierer genaue Definitionen schätzen, als meillo@54: auch an ihrer Geburt aus der Freien Software, meillo@54: die eine klare Rechtslage als eine Kernaufgabe sieht. meillo@54: Nicht zuletzt ermöglichen auch anerkannte Leitfiguren meillo@54: eine Einigung auf klare Worte. meillo@54: meillo@54: meillo@54: meillo@54: %################################################################### meillo@54: \section{Realisierungen} meillo@54: meillo@54: Dieser Abschnitt stellt die Definitionen der verschiedenen meillo@54: Konzepte und typische Lizenzen vor. meillo@54: meillo@54: meillo@54: \subsection{Freie Software} meillo@54: meillo@54: Für die Freie Software gibt es eine Definition der Free Software meillo@54: Foundation, meillo@54: \autocite{fsf-def} meillo@54: die vier Freiheiten umfasst. Sind diese gegeben, dann meillo@54: wird ein Stück Software als frei angesehen: meillo@54: \begin{itemize} meillo@54: \item The freedom to run the program, for any purpose (freedom~0). meillo@54: \item meillo@54: The freedom to study how the program works, and change it so meillo@54: it does your computing as you wish (freedom~1). Access to the meillo@54: source code is a precondition for this. meillo@54: \item meillo@54: The freedom to redistribute copies so you can help your meillo@54: neighbor (freedom~2). meillo@54: \item meillo@54: The freedom to distribute copies of your modified versions to meillo@54: others (freedom~3). By doing this you can give the whole community meillo@54: a chance to benefit from your changes. Access to the source code meillo@54: is a precondition for this. meillo@54: \end{itemize} meillo@54: meillo@54: meillo@54: Die FSF pflegt eine Liste von Software-Lizenzen, die sie nach meillo@54: dieser Definition als frei ansieht. meillo@54: \autocite{fsf-licenses} meillo@54: Die \emph{General Public License} (GPL) meillo@54: \autocite{gpl} meillo@54: ist die typische Lizenz für die Freie Software-Bewegung. meillo@54: Sie basiert auf einem besonderen Konstrukt, dem meillo@54: \emph{Copyleft}. meillo@54: \autocite{copyleft} meillo@54: Dieses erzwingt, dass meillo@54: jedes abgeleitete Werk wiederum unter der gleichen Lizenz stehen meillo@54: muss. Damit wird verhindert, dass ein Stück GPL-lizenzierter Code meillo@54: jemals auf eine Weise genutzt werden kann, die nicht jedermann meillo@54: gleichfalls zur Verfügung steht. Alle auf Copyleft-Werke aufbauenden meillo@54: Werke werden also wiederum Freie Software sein. meillo@54: Dieser Zwang wird von manchen als Einschränkung der individuellen meillo@54: Freiheit angesehen, von anderen dagegen als Sicherung der Freiheit meillo@54: aller. meillo@54: meillo@54: meillo@54: meillo@54: \subsection{Open Source} meillo@54: meillo@54: Die Open Source-Definition der Open Source Initiative meillo@54: \autocite{osi-def} meillo@54: ist eine leicht abgewandelte Formulierung der meillo@54: Debian Free Software Guidelines, meillo@54: \autocite{dfsg} meillo@54: welche für die meillo@54: GNU/\-Linux-Distribution \emph{Debian} entwickelt worden sind. meillo@54: Die Ausrichtung auf die Bedürfnisse einer Distribution, also meillo@54: eines Projektes, das verschiedene Programme sinnvoll meillo@54: zusammenstellt, geeignet anpasst und dann als \enquote{Sammelwerk} meillo@54: verbreitet, sind klar zu erkennen. Die Definition ist folglich meillo@54: eine Checkliste, meillo@54: die Lizenzen durchlaufen müssen, damit die damit lizensierte Software meillo@54: in die Distribution aufgenommen werden kann. Gefordert werden: meillo@54: meillo@54: \begin{itemize} meillo@54: \item Free Redistribution meillo@54: \item Source Code meillo@54: \item Derived Works meillo@54: \item Integrity of The Author's Source Code meillo@54: \item No Discrimination Against Persons or Groups meillo@54: \item No Discrimination Against Fields of Endeavor meillo@54: \item Distribution of License meillo@54: \item License Must Not Be Specific to a Product meillo@54: \item License Must Not Restrict Other Software meillo@54: \item License Must Be Technology-Neutral meillo@54: \end{itemize} meillo@54: meillo@54: meillo@54: Eine präferierte Open Source-Lizenz gibt es nicht. Dem Charakter meillo@54: von Open Source entsprechen BSD-artige Lizenzen aber am besten. meillo@54: Der Kern deren Aussage lässt sich umgangsprachlich so zusammenfassen: meillo@54: \enquote{Mache mit dieser Software was du willst, solange du sagst wer meillo@54: sie geschrieben hat. Und erwarte keine Garantie oder Haftung für meillo@54: irgendwas.} meillo@54: meillo@54: Zum allergrößten Teil entsprechen sich die Definitionen der OSI und meillo@54: FSF bei der Frage, wie eine konkrete Lizenz klassifiziert wird: meillo@54: \enquote{The two definitions lead to the same result in practice, but use meillo@54: superficially different language to get there.} meillo@54: \autocite{osi-faq} meillo@54: meillo@54: meillo@54: meillo@54: meillo@54: \subsection{Free Cultural Works} meillo@54: meillo@54: Inspiriert von der Definition von Freier Software erfordern Free meillo@54: Cultural Works folgende essentiellen Freiheiten: meillo@54: \autocite{fcw-def} meillo@54: \begin{itemize} meillo@54: \item The freedom to use and perform the work meillo@54: \item The freedom to study the work and apply the information meillo@54: \item The freedom to redistribute copies meillo@54: \item The freedom to distribute derivative works meillo@54: \end{itemize} meillo@54: meillo@54: Daneben gibt es zusätzliche Anforderungen: meillo@54: \begin{itemize} meillo@54: \item Availability of source data meillo@54: \item Use of a free format meillo@54: \item No technical restrictions meillo@54: \item No other restrictions or limitations meillo@54: \end{itemize} meillo@54: meillo@54: Wenn auch keine weiteren Einschränkungen und Begrenzungen erlaubt meillo@54: sind, so gibt es bestimmte Einschränkungen die akzeptabel meillo@54: sind, ohne die essentiellen Freiheiten zu beeinflussen: meillo@54: \begin{quote} meillo@54: In particular, requirements for attribution, for symmetric meillo@54: collaboration (i.e., \enquote{copyleft}), and for the protection of meillo@54: essential freedom are considered permissible restrictions. meillo@54: \end{quote} meillo@54: meillo@54: Typische Lizenzen für Free Cultural Works sind die zwei Creative meillo@54: Com\-mons-Lizenzen CC BY und CC BY-SA, sowie die Public Domain meillo@54: Dedication CC0. (Die anderen CC-Lizenzen sind unfrei im Sinne dieser meillo@54: Definition.) meillo@54: meillo@54: Auch für Free Cultural Works gibt es eine Liste von meillo@54: Lizenzen, die den Anforderungen genügen. meillo@54: \autocite{fcw-licenses} meillo@54: meillo@54: meillo@54: meillo@54: \subsection{Open Access} meillo@54: meillo@54: Eine singuläre, anerkannte Definition, wie es für die anderen meillo@54: Konzepte der Fall ist, gibt es für Open Access nicht. meillo@54: Über die Jahre entstanden allerlei Definitionen, die sich teilweise meillo@54: unterscheiden. meillo@54: meillo@54: Die erste Definition, die den Begriff \enquote{Open Access} verwendet meillo@54: hatte, war die \emph{Budapest Open Access Initiative} meillo@54: \autocite{budapest02} meillo@54: in 2002. Sie definiert: meillo@54: \begin{quote} meillo@54: The literature that should be freely accessible online is that which meillo@54: scholars give to the world without expectation of payment. [...] By meillo@54: \enquote{open access} to this literature, we mean its free availability on the meillo@54: public internet, permitting any users to read, download, copy, distribute, meillo@54: print, [...], or use them for any other lawful purpose, without financial, meillo@54: legal, or technical barriers other than those inseparable from gaining meillo@54: access to the internet itself. The only constraint on reproduction and meillo@54: distribution, and the only role for copyright in this domain, should be meillo@54: to give authors control over the integrity of their work and the right meillo@54: to be properly acknowledged and cited. meillo@54: \end{quote} meillo@54: meillo@54: meillo@54: Ein Jahr später erschien die meillo@54: \emph{Berlin Declaration on Open Access to Knowledge meillo@54: in the Sciences and Humanities}: meillo@54: \autocite{berlin03} meillo@54: \begin{quote} meillo@54: The author(s) and right holder(s) of such contributions grant(s) meillo@54: to all users a free, irrevocable, meillo@54: worldwide, right of access to, and a license to copy, use, meillo@54: distribute, transmit and display the work meillo@54: publicly and to make and distribute derivative works, in any meillo@54: digital medium for any responsible meillo@54: purpose, subject to proper attribution of authorship ([...]), meillo@54: as well as the right to make small numbers of meillo@54: printed copies for their personal use. meillo@54: \end{quote} meillo@54: meillo@54: (Sie basiert stark, teilweise sogar im Wortlaut, auf dem meillo@54: \emph{Bethesda Statement on Open Access Publishing}, meillo@54: \autocite{bethesda03} meillo@54: ebenfalls von 2003.) meillo@54: meillo@54: Hier sind abgeleitete Werke nun auch explizit beachtet. meillo@54: Über die Budapester Erklärung hinaus geht auch die Forderung, meillo@54: dass das Werk mitsamt aller Quellmaterialien in einem Repositorium meillo@54: veröffentlicht werden muss. meillo@54: Zudem meillo@54: unterscheidet man zwischen der digitalen und materiellen meillo@54: Vervielfältigung und Verbreitung. Das kann sicher als meillo@54: Zugeständnis an das Verlagswesen gewertet werden. Bei der Freien meillo@54: Software gibt es diese Unterscheidung nicht. Bei Open Source ist meillo@54: sie sogar explizit ausgeschlossen. meillo@54: Im Gegensatz zur Budapester Erklärung ist das Thema der Kosten meillo@54: nicht so prominent präsentiert. Das entspricht der Situation bei meillo@54: den Definitionen für Freie und Open Source Software -- meillo@54: libre, nicht gratis. meillo@54: meillo@54: Als typische Lizenzen für Open Access-Inhalte haben sich die meillo@54: Creative Commons-Lizenzen etabliert. In der Neuauflage der meillo@54: Budapester Empfehlungen von 2012 meillo@54: wird sogar explizit die CC BY-Lizenz empfohlen. meillo@54: \autocite{budapest12} meillo@54: Die Tendenz zu CC BY scheint sich (zumindest für meillo@54: Zeitschriftenartikel) durchzusetzen. meillo@54: Daneben sind aber auch die anderen CC-Lizenzen (v.a. CC meillo@54: BY-NC, CC BY-ND und CC BY-NC-ND) verbreitet. meillo@54: Was die reinen Quelldaten angeht, so werden diese inzwischen meillo@54: zumeist unter CC0 veröffentlicht ... falls sie denn veröffentlicht meillo@54: werden. meillo@54: meillo@54: meillo@54: meillo@54: \begin{table}[h] meillo@54: \centering meillo@54: \footnotesize meillo@54: \caption{\textbf{Geforderte Rechte}} meillo@54: \bigskip meillo@54: \renewcommand{\arraystretch}{1.3} meillo@54: \begin{tabular}{ l | c c c c c } meillo@54: Definition & Nutzen$^{*}$ & Kopieren & Verbreiten & Verändern & Veränderungen verbreiten \\ meillo@54: \hline meillo@54: FSF & \ding{51} & \ding{51} & \ding{51} & \ding{51} & \ding{51} \\ meillo@54: OSI & \ding{51} & \ding{51}$^{\dag}$ & \ding{51} & \ding{51} & \ding{51} \\ meillo@54: FCW & \ding{51} & \ding{51} & \ding{51} & \ding{51} & \ding{51} \\[9pt] meillo@54: Budapest & \ding{51} & \ding{51} & \ding{51} & --- & --- \\ meillo@54: Berlin & \ding{51} & \ding{51}$^{\ddag}$ & \ding{51} & \ding{51} & \ding{51} \\ meillo@54: \end{tabular} meillo@54: \medskip meillo@54: \caption*{ meillo@54: \scriptsize meillo@54: \begin{tabular}{l l} meillo@54: $*$ & Betrachten, Lesen, Ausführen, etc. \\ meillo@54: $\dag$ & Nicht explizit erwähnt, aber notwendigerweise als meillo@54: Voraussetzung angesehen \\ meillo@54: $\ddag$ & Ausdrucke nur in kleinen Stückzahlen für den meillo@54: persönlichen Gebrauch \\ meillo@54: \end{tabular} meillo@54: } meillo@54: \end{table} meillo@54: meillo@54: meillo@54: meillo@54: %################################################################### meillo@54: \section{Diskussion} meillo@54: meillo@54: \subsection{Freiheit} meillo@54: meillo@54: %--- freiheit meillo@54: meillo@54: Die verschiedenen Bewegungen scheiden sich an der Frage, was meillo@54: als wichtiger angesehen wird, die Freiheit der Information meillo@54: im Generellen oder ihr konkreter praktischer Wert zum aktuellen meillo@54: Zeitpunkt. meillo@54: meillo@54: Die Freie Software-Bewegung legt größten Wert auf die Freiheit, meillo@54: denn in ihr sieht sie die Voraussetzung für alle anderen meillo@54: Bestrebungen. meillo@54: Bruce Perens, der 1998 die Open Source Initiative mitgegründet meillo@54: hatte, wandte sich ein Jahr später wieder davon ab und der meillo@54: Freien Software zu, da für ihn der Wert der Freiheit wichtiger meillo@54: erschien: meillo@54: \autocite{perens-fs} meillo@54: \begin{quote} meillo@54: Most hackers know that Free Software and Open Source are just two meillo@54: words for the same thing. Unfortunately, though, Open Source has meillo@54: de-emphasized the importance of the freedoms involved in Free meillo@54: Software. It's time for us to fix that. We must make it clear to meillo@54: the world that those freedoms are still important, and that meillo@54: software such as Linux would not be around without them. meillo@54: \end{quote} meillo@54: meillo@54: Die Neuauflage der Empfehungen der Budapest Open Access Initiative meillo@54: liefert im Bezug auf die Bedeutung der Freiheit eine Rangfolge in meillo@54: erfreulicher Klarheit: meillo@54: \enquote{[...] we recognize that gratis access is better than priced meillo@54: access, libre access is better than gratis access, and libre under meillo@54: CC-BY or the equivalent is better than libre under more meillo@54: restrictive open licenses.} meillo@54: \autocite{budapest12} meillo@54: (Nur über die konkrete Empfehlung von CC BY und was hier meillo@54: \enquote{equivalent} bedeutet lässt sich streiten.) meillo@54: meillo@54: %--- abhaengigkeit meillo@54: meillo@54: Kritisch am Open Access zu sehen ist die fortwährende meillo@54: Abhängigkeit von der Verwertungsindustrie. Diese favorisiert, meillo@54: verständlicherweise, den Goldenen Weg, welcher diese Abhängigkeit meillo@54: beibehält. Die Verwerter-unabhängige Zugänglichmachung, auf dem meillo@54: Grünem Weg, geht als \emph{Zweit}veröffentlichung in das meillo@54: Verständnis der Wissenschaftler ein. meillo@54: Wie anders wäre die Ausgangsbasis, würden die meillo@54: Wissenschaftler die freien Repositorien als natürlichen ersten meillo@54: Veröffentlichungsort wählen und anschließend in einem Verlag meillo@54: zweitveröffentlichen! Zu abwegig scheint dieser Ansatz nicht zu meillo@54: sein, denn beispielsweise mit dem Preprint-Server ArXiv ist die meillo@54: Praxis in der Physik gar nicht so weit davon entfernt. meillo@54: meillo@54: %--- entscheidungsfreiheit meillo@54: meillo@54: Die idealistischen Bewegungen versuchen stets Abhängigkeiten zu meillo@54: vermeiden um ihre eigene Entscheidungsfreiheit zu bewahren. meillo@54: Dabei spielt die Zusammensetzung der Beteiligten eine Rolle. meillo@54: Wie groß ist der Anteil derjenigen, die aus einem inneren Bedürfnis meillo@54: heraus, meist in ihrer Freizeit, aktiv sind, und wie groß ist der meillo@54: Anteil jener, für die es ein Job zum Lebensunterhalt ist? meillo@54: Die erste Gruppe tut sich deutlich einfacher damit, meillo@54: ihren persönlichen Vorstellungen nachzugehen. Die zweite Gruppe meillo@54: befindet sich in der Abhängigkeit, immer auch Erwartungen meillo@54: von außen entsprechen zu müssen. Ihre Entscheidungsfreiheit ist meillo@54: schon von Beginn an beschränkt. meillo@54: meillo@54: %--- selbstbestimmung meillo@54: meillo@54: Die Bewegungen Freie Software, Open Source, und nicht zuletzt Free meillo@54: Cultural Works zeigen eine Form der Selbstbestimmung der Urheber, meillo@54: die der Open Access nicht erkennen lässt. meillo@54: Der Grund mag darin liegen, dass bei ersteren eine größere Bindung meillo@54: zum eigenen Werk vorliegt, als es bei den Wissenschaftler der Fall meillo@54: zu sein scheint. meillo@54: Die Angst, dass man das eigene Werk \enquote{verliert}, wenn man meillo@54: Verwertern exklusive Nutzungsrechte einräumt, scheint bei den meillo@54: Wissenschaftlern nicht allzu groß zu sein. Die Veröffentlichung meillo@54: wird scheinbar mehr als Mittel zum Zweck gesehen. Wo aber das eigene meillo@54: Werk hoch geschätzt wird, wird ein größeres Bewusstsein für meillo@54: die (Urheber-)Rechtslage vorhanden sein. Unter freien Lizenzen meillo@54: bleibt einem selbst sein Werk zwar nicht vorbehalten, man kann meillo@54: aber die Rechte daran auch nicht verlieren. meillo@54: meillo@54: meillo@54: meillo@54: \subsection{Gemeingut} meillo@54: meillo@54: %--- zielgruppe meillo@54: meillo@54: Eine weitere Unterscheidung der Bewegungen lässt sich im Bezug meillo@54: auf die Hauptzielgruppe treffen: meillo@54: Geht es in erster Linie um die Interessen der Gemeinschaft oder meillo@54: um die Interessen der Einzelperson? meillo@54: meillo@54: Alle vorgestellten Bewegungen haben die gesamte Menschheit im meillo@54: Blick, wenn auch mit unterschiedlich stärkem Fokus darauf. meillo@54: Sind also Ausnahmen für Untergruppen, wie beispielsweise meillo@54: die Forschung und Lehre, akzeptabel oder nicht? Die Bewegungen, meillo@54: die ethische Gesichtspunkte vertreten, verneinen. Die meillo@54: pragmatischen Bewegungen sehen darin aber eine einfachere meillo@54: Durchsetzbarkeit und somit mittelfristige Vorteile. meillo@54: Ob durch das ungenutzte, weil ausgegrenzte Potenzial oder durch meillo@54: immer wieder neu zu erkämpfende Grenzbereiche langfristige meillo@54: Nachteile entstehen, bleibt zu klären. meillo@54: Bei der Freien Software und den Free Cultural Works ist klar: meillo@54: Zuerst dem Volk, dann den Verwertern. meillo@54: Entscheidend dabei ist aber, dass nichts gegen eine kommerzielle meillo@54: Verwertung spricht, nur darf dieses Bestreben die meillo@54: Rechte der Allgemeinheit nicht beschränken. meillo@54: meillo@54: Ein schönes Beispiel für eine Verpflichtungserklärung der meillo@54: Menschheit gegenüber ist der \emph{Debian Social Contract}. meillo@54: \autocite{dsc} meillo@54: Eine so klare und konkrete Erklärung der Wissenschaft der Menschheit meillo@54: gegenüber wäre ein wertvolles Leitbild für die Open meillo@54: Access-Bewegung. Die Open Access-Erklärungen enthalten zwar Leitbilder, meillo@54: diese sind aber leider allzu oft voll wolkiger Worthülsen. meillo@54: Verständlich ist das Bedürfnis, sich nicht festnageln lassen zu meillo@54: wollen, gerade das jedoch wäre ein wichtiger Schritt in Richtung meillo@54: Glaubwürdigkeit. meillo@54: meillo@54: %--- nc meillo@54: meillo@54: Die im Open Access verbreitete Tendenz zu meillo@54: Non-Commercial-Ein\-schränk\-ung\-en (NC) gibt es bei den anderen Bewegungen meillo@54: nicht. Dort sieht man in kommerziellen Angeboten einen Mehrwert, meillo@54: auf den man nicht verzichten will. meillo@54: Beim Open Access mag die Tendenz daher rühren, dass auch die meillo@54: Verwerter selbst in der Bewegung aktiv sind und sich dieses meillo@54: Marktfeld exklusiv reserviert halten wollen. meillo@54: meillo@54: Das Bedürfnis, zu verhindern, dass sich Andere am eigenen Werk meillo@54: bedienen ohne etwas zurückzugeben, ist durchaus auch in den anderen meillo@54: Bewegungen vorhanden. meillo@54: Das Mittel der Wahl dagegen ist das Copyleft-Prinzip. meillo@54: Dieses lässt die kommerzielle Nutzung sehr wohl zu, stellt aber meillo@54: sicher, dass jeder die gleichen Möglichkeiten der kommerziellen meillo@54: Nutzung hat und dass jedes aufbauende Werk dem ursprünglichen meillo@54: Urheber (und jedem sonst) ebenfalls zur Verfügung steht. meillo@54: meillo@54: %--- copyleft meillo@54: meillo@54: Ob nun solche Copyleft-Lizenzen gut sind oder nicht, darüber ist meillo@54: sich die Gemeinschaft nicht einig. meillo@54: Beide Lizenztypen, die mit Copyleft (z.B. die GPL) und die ohne meillo@54: (z.B. die BSD-artigen), bestehen meillo@54: nebeneinander, und das schon seit dreißig Jahren. Es ist nicht meillo@54: abzusehen, dass eine Art die Oberhand gewinnen würde. meillo@54: Bei den Creative Commons-Lizenzen gibt es mit CC BY und CC BY-SA meillo@54: ein äquivalentes Paar. (Dort wird \enquote{Copyleft} als \enquote{Share-alike} meillo@54: bezeichnet.) Auch hier werden wahrscheinlich beide Arten nebeneinander, meillo@54: gut möglich für unterschiedliche Publikationsformen, meillo@54: fortbestehen, da sie unterschiedliche Vor- und Nachteile haben. meillo@54: meillo@54: meillo@54: \subsection{Schlagkraft} meillo@54: meillo@54: %--- heterog. meillo@54: meillo@54: Ein großer Unterschied zwischen Open Access und den anderen meillo@54: Konzepten ist die Menge seiner unterschiedlichen Beteiligten. Während meillo@54: sich die anderen Konzepte um kleine Gruppen von ähnlich meillo@54: Denkenden herum aufbauen, ist der Open Access eine Bewegung an der sehr meillo@54: viele Personen, Institutionen und Unternehmen mit ihren meillo@54: eigenen, unterschiedlichen Interessen mitformen, ohne dass es eine meillo@54: klare Führung gäbe. Wenn auch von den Wissenschaftlern meillo@54: initiiert, wirken nun auch viele andere Akteure mit. meillo@54: Als Folge wird der Begriff \enquote{Open Access} inzwischen fast wahllos meillo@54: verwendet. Die wissenschaftliche Gemeinschaft -- falls es die gibt meillo@54: -- hat keine Form der Abgrenzung und Reinhaltung ihres Konzeptes meillo@54: gefunden. Wie sollte sie auch, wo sie sich selbst noch nicht klar meillo@54: ist, welche Werte und Forderungen sie denn vertritt. meillo@54: Wo die anderen Bewegungen anerkannte Definitionen vorweisen können, meillo@54: gelingt dies dem Open Access nicht. meillo@54: Zu stark ist die systemimmanente Heterogenität der Wissenschaft. meillo@54: Zu schwer fällt es den Wissenschaftlern sich zu organisieren, meillo@54: zumindest sich schlagkräftig und konsequenzbereit zu organisieren. meillo@54: Zu stark sind aber auch die Traditionen des Publizierens, mit meillo@54: der starken Einflussposition der Unternehmen. meillo@54: So sind es nun eben diese Unternehmen, die die Praxis des meillo@54: Open Access prägen und ausgestalten. Nach anfänglichen meillo@54: Startschüssen haben die Wissenschaftler heute die Kontrolle meillo@54: großteils aus der Hand gegeben. meillo@54: Von der Definition des Open Access bleibt als gemeinsamer Nenner meillo@54: letztlich nur der kostenlose (Lese-)Zugriff, also der Wortsinn meillo@54: des Begriffes selbst, übrig. Nur hierin sind sich alle Beteiligten meillo@54: einig. meillo@54: meillo@54: %--- reinhaltung meillo@54: meillo@54: Anders bei der Open Source-Bewegung: meillo@54: Als Microsoft mit seinem meillo@54: \emph{Shared Source}-Konzept meillo@54: auf den Open Source-Zug aufspringen wollte, wurde das als reine meillo@54: Nutznießerei ohne erkennbare Unterstützung des Kerngedankens der meillo@54: Open Source-Bewegung erkannt und verurteilt. meillo@54: \autocite{perens-stand-together} meillo@54: Folglich wendete sich die Gemeinschaft ab. meillo@54: Diese aktive Abgenzung von reinen Trittbrettfahrern, die die Integrität meillo@54: der Bewegung verwässern würden, fehlt dem Open Access bislang. meillo@54: Sie setzt allerdings ein gemeinsames Selbstverständnis voraus. meillo@54: meillo@54: %--- pragmatismus. meillo@54: meillo@54: Leider herrscht bei den Wissenschaftlern oft ein Pragmatismus vor, meillo@54: der lediglich den Erträglichkeitslevel akzeptabel halten will. Der meillo@54: idealistische Wunsch der grundlegenden Verbesserung geht meist meillo@54: neben den pragmatischen Anforderungen des Alltags unter. meillo@54: meillo@54: meillo@54: meillo@54: \subsection{Qualität} meillo@54: meillo@54: %--- qualitaet meillo@54: meillo@54: Mit Bezug auf Open Source kann man für den Open Access meillo@54: argumentieren, dass die Offenlegung aller Forschungsdaten und der meillo@54: daraus entstehenden Publikationen zu besseren Forschungsergebnissen meillo@54: führen kann. Das sogar auf mehrerlei Weise: Man bietet anderen meillo@54: Forschern und sonstigen Interessierten die Möglichkeit Fehler zu meillo@54: finden und weitere Erkenntnisse zu entdecken; es werden aufbauende meillo@54: und zusammenführende Arbeiten gefördert; und nicht zuletzt meillo@54: werden die Wissenschaftler, aufgrund der Gewissheit nachprüfbar zu meillo@54: sein, sorgfältiger arbeiten. Diese Verbesserungen der meillo@54: wissenschaftlichen Qualität müssen nicht eintreten, sie sind meillo@54: aber wahrscheinlich. Nachteile durch die Offenlegung sind nur meillo@54: zu befürchten, wenn die wissenschaftliche Ethik und meillo@54: Selbstorganisation versagen. meillo@54: Das bisherige Zögern der Wissenschaft mag von einem fehlenden meillo@54: Selbstbewusstsein oder von zu starkem Herdentrieb stammen. meillo@54: meillo@54: meillo@54: meillo@54: \subsection{Fazit} meillo@54: meillo@54: %--- lernen aus fs meillo@54: meillo@54: Die in dieser Arbeit vorgestellten Konzepte zeigen Möglichkeiten, meillo@54: wie sich Ziele und Wünsche vertreten lassen, so dass nebenrangige meillo@54: Beteiligte weiterhin bestehen und wertschöpfend sein können, meillo@54: ohne die zentralen Interessen zu gefährden. meillo@54: Notwendig dafür ist eine Bewegung mit einem schlagkräftigen und meillo@54: akzeptierten Kern an Wortführern und eine breite Basis von sich meillo@54: einigen Anhängern. Diese muss klare Definitionen und meillo@54: Ausrichtungen vorgeben und dann das Konzept rein halten. meillo@54: meillo@54: An sich ist die Wissenschaft mit den Open Access auf einem noch meillo@54: guten Weg. Die vorhandenen Definitionen sind eine brauchbare meillo@54: Ausgangsbasis, die bereits Konsolidierungstendenzen aufweist. Auch ein meillo@54: Bewusstsein für die Situation und ihre Hintergründe wird meillo@54: zunehmend geschaffen, gerade auch von den Bibliotheken. meillo@54: Entscheidend ist aber, dass das Bemühen jetzt, wo die Verwerter meillo@54: einzuschwenken beginnen, nicht nachlässt. Noch ist nichts meillo@54: grundlegend geändert. Noch ist die Situation nicht gut, meillo@54: nur nicht mehr untragbar. Jetzt ist der Zeitpunkt aktiv zu werden! meillo@54: Jetzt muss die Wissenschaft ihr Selbstverständnis bestätigen! meillo@54: Jetzt muss sie ihre Definition von Open Access klarer machen! meillo@54: Jetzt muss die wissenschaftliche Gemeinschaft an ihrer meillo@54: Selbstorganisation arbeiten! meillo@54: Open Access-Pub\-li\-ka\-tionen müssen geschätzt werden! Der meillo@54: Gemeinschaft vorenthaltene oder nur erschwert zugängliche meillo@54: Publikationen müssen benachteilt werden! Das Geheimhalten von meillo@54: Forschungsdaten muss kritisiert werden! meillo@54: Was in der Berlin Declaration schon vor einem Jahrzehnt meillo@54: gefordert wurde, muss die Praxis werden! meillo@54: Die blinde Lobhudelei auf der Basis von naiven Kennzahlen muss aufhören! meillo@54: meillo@54: Es reicht aber nicht, die Wissenschaftler nur zu \enquote{bestärken} meillo@54: und Open Access-Veröffentlichungen \enquote{anzuerkennen}. meillo@54: Nein! Die Wissenschaft muss Open Access spürbar wertschätzen! meillo@54: Die Umsetzung steht der Wissenschaft frei. meillo@54: Sie muss sich nur selbst organisieren und dann ihre eigenen Werte leben. meillo@54: meillo@54: meillo@54: \bigskip meillo@54: \bigskip meillo@54: \begingroup meillo@54: \begin{quote} meillo@54: \subsubsection*{Public Domain Dedication} meillo@54: \footnotesize meillo@54: \linespread{1.0} meillo@54: \rightskip1.2cm meillo@54: Für mich selbstvertändlicherweise ist dieses Werk frei (libre), meillo@54: offen und transparent. Das fertige Dokument, sein Quellcode meillo@54: (in Latex) und seine Entstehungsgeschichte (im Versionskontrollsystem) meillo@54: stehen jedermann vollumfänglich zur Verfügung.% meillo@54: \footnote{\url{http://marmaro.de/docs/bib/fs-oa/}.} meillo@54: Mittels \emph{CC0 1.0 Universell} meillo@54: \footnote{\url{http://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/}.} meillo@54: verzichte ich weltweit auf alle urheberrechtlichen meillo@54: und verwandten Schutzrechte, soweit das gesetzlich möglich ist. meillo@54: \end{quote} meillo@54: \endgroup meillo@54: meillo@54: meillo@54: \clearpage meillo@54: \printbibliography meillo@54: meillo@54: \end{document}